Mittwoch, 7. September 2016

Das Karussell muss sich weiter drehen

Langsam komme ich zum Stehen. Das Karussell dreht seine letzte Runde und noch immer dreht sich alles um mich herum. Langsamer jetzt. Ich beginne wieder klare Linien zu sehen. Noch nicht aussteigen. Lass mich noch eine Weile hier sitzen. Es war so schön. Ich will es festhalten. Alles mitnehmen. 


Seit die Schule hinter mir liegt und auch schon die letzten Woche meiner Schulzeit, habe ich so viel erlebt und gesehen, dass irgendwann die Zeit angefangen hat zu verschwimmen. Länder, Menschen, Gefühle. Alles wurde zu einer langen Karussellfahrt. Kaum geschlafen, nie Zuhause gewesen. Ich hab meine Tasche immer neu gepackt und bin in Flugzeuge und Züge gestiegen. Alles voller Spontanität, Leidenschaft und Erwartung. Ein Anruf genügt und meine beste Freundin steigt in den nächsten Zug und kommt hierher. Wir wollen die Zeit nutzen, bevor sie weg geht. Wir wollen noch viel erleben. Und ich, ich will einfach nicht zur Ruhe kommen. Lasse es nicht zu. Als dann das viele herumreisen ein Ende nimmt, muss ich es jedoch zumindest versuchen. Ich kann schließlich nicht für immer auf der Flucht sein. Ich muss wieder irgendwo ankommen. Ein paar mehr Nächte im selben Bett schlafen. Vielleicht sogar mehr als fünf Stunden schlafen. Das macht mir Angst, aber ich es versuche es und bin den ganzen Tag Zuhause. Räume auf und organisiere das Leben, welches ich in ein paar Wochen führen werde. Ich halte durch bis zum frühen Abend, aber werde mit zunehmender Stunde immer hippeliger, bis ich mich irgendwann ins Auto setze und davon fahre. Das war zu viel. Zu viel nix tun. Zu viel Langeweile und vor Allem zu viel nachdenken. Wer unterwegs ist, hat keine Zeit dafür. Keine Zeit zum Grübeln. Wie verlockend. 
Ankommen braucht Zeit. Man muss sich wieder erinnern, wie das echte Leben aussieht und dass man Verantwortung zu tragen hat. Man muss gegen den Alltagstrott ankämpfen und sich mit sich selbst Auseinandersetzten. Doch Ankommen ist nicht das Ende der Lebendigkeit, sondern ein Ruhepol für neue Abenteuer.
Es ist jetzt nicht mehr so schlimm. Ich werde einen Mittelweg finden. 
Oder ich buche einfach einen Flug und verschwinde wieder. Ich habe mich noch nicht entschieden. 

S.

Montag, 5. September 2016

Eine Stadt voller Gegensätze | Bangkok #Thailand1

Hier fängt Thailand an und hier hört Thailand auf und so fragt mich Jeder, den ich auf meiner Reise treffe: "What do you think about Bangkok?"




*15:00 Bangkok
Ich steige die Treppen der Phayathai Bahnstation herab. Nicht aufgeregt und superglücklich, sondern eher todmüde und mit einem gefühlt 30 kg Rucksack auf dem Rücken. Meine Freundin und ich sind seit 40 Stunden unterwegs und nun werden wir von Bangkok mit glühend heißen Armen und tausenden dröhnenden Mopetmotoren empfangen. "I need a TukTuk" - koste es, was es wolle.

Benchamabopit Dusit Wanaram

*goldene Fußspuren
Noch am selben Nachmittag versuchen wir die Stadt, die uns mehr erschlägt als empfängt, zu Fuß und orientierungslos auf eigene Faust zu erkunden und wer hätte es gedacht, ein green curry und etliche TukTukFahrer später, sind wir gar nicht mehr so verloren, wie wir es befürchtet haben. Mit großen Augen staune ich über all die Tempel, die sich durch die Stadt ziehen wie ein roter Faden. Alle so verschieden und doch so gleich. Und gold, so viel gold. Dabei beeindruckt mich persönlich der "Benchamabopit Dusit Wanaram" (Marbel Tempel) am meisten. Die Anlage ist im Vergleich zum riesigen "Wat Pho"ziemlich beschaulich, aber dafür authentisch und so eröffnet sich uns die Möglichkeit durch den Garten zu schlendern und alles in Ruhe ohne Touristen zu fotografieren. 
Tausende Eindrücke später und dennoch am selben Abend wollen wir die "Koh San Road" kennen lernen. Unter Backpackern berühmt, berüchtigt und für mich, wie sich herausstellt zu Recht, sehr schwer vorstellbar. 


*der nächste Kulturschock
All die Rucksacktouristen, die sich durch die, von Leuchtreklame erhellte, Straße schieben und an kleinen Ständen auf der Straße sowohl asiatisches, als auch westliches Essen genießen. Was das Essen betrifft muss man einfach mutig sein und schon wird man sich Hals über Kopf in Curry und Padthai verlieben und damit auch bald kein Problem mehr mit Reis zum Frühstück haben. Zurück auf der "Koh San Road" tanzt man mitten auf der Straße zu bekannten und fremden Rhythmen und der Ein oder Andere trägt schon sein erstes Bucket in der Hand (zu diesem Thema kommt mit Sicherheit in einem anderen Post noch mehr). Es herrscht eine Ausgelassenheit, die man in Deutschland maximal von der Festivalwelt kennt und das mitten in der Woche. Überhaupt spielt der Wochentag, ebenso wie das Datum absolut keine Rolle.



*Bangkok mit Weitsicht
Angezogen von der verlockenden Möglichkeit die Metropole von oben sehen zu können, zieht es uns gleich zweimal auf Aussichtspunkte, die unterschiedlicher nicht sie könnten.
Begleitet von Mönchen und klangvoller Musik steigen wir die Stufen des "Wat Saket" (goldener Berg) hinauf und sind überwältigt vom Ausblick, der sich uns bietet. Zum ersten Mal sehen wir all die Wolkenkratzer in der Ferne und erkannten die Gegensätze, die die Stadt innehält. Auf der einen Seite Straßenkost und auseinander fallende Wohnungen, auf der anderen Seite Starbucks und Chanel. Bis zu diesem Punkt waren wir nur auf Schleichwegen unterwegs und konnten so unmöglich erkennen, was Bangkok tatsächlich bedeutet. Doch auch die "echte" Großstadt hat ihren Charme, sodass wir uns auf den Weg zu den Hochhäusern machen und im "Baiyoke Sky Hotel" mit einem gläsernen Fahrstuhl in die 85. Etage fahren. Am späten Abend werden wir hier von einer Welle aus all den Glitzerlichtern der Stadt überflutet. 

die ersten Skyscrapers

Die Skyline von Bangkok



*zur Ruhe kommen
Die Nächte sind kostbar und lang und so nutzen wir unseren letzten Tag, um mit Bus und Bahn (das ist zwar eine Herausforderung, aber so viel günstiger als mit Taxi und TukTuk), in den "Lumphini Park" zu fahren. Mit frischer Mango bewaffnet können wir hier am See liegen, das schöne Wetter genießen und ein bisschen Abstand von den zu aufdringlichen TukTukFahrern und dem Blitzlichtgewitter der Touristen gewinnen, bevor uns der Wind in den Norden Thailands trägt.



Lumphini Park





Hier fängt Thailand an und hier hört Thailand auf und so fragt mich Jeder, den ich auf meiner Reise treffe: "What do you think about Bangkok? - noone likes it "

Bangkok ist grell und verlassen. Bangkok ist Großstadt und religiöse Städte. Bangkok ist Tourismus und Armut. Bangkok hat sich noch nicht gefunden. Ich muss Bangkok nicht wieder sehen, aber ich bin froh dort gewesen zu sein.

S.





Sonntag, 4. September 2016

Die Ruhe vor dem Sturm #Indonesien 1

"To travel is a journey into yourself. We do not travel to escape life but for life not to escape us." 

Vor einem Jahr noch drehten sich alle Gedanken hauptsächlich um eins: das Abitur. Und jetzt 12 Monate später sitze ich wieder hier. Hier an meinem Schreibtisch vor meinem nächsten großen Abenteuer. Diesmal einem echten Abenteuer sage ich mir. Ist es nicht komisch, dass Getanes einem im Nachhinein gar nicht mehr so groß, so unschaffbar vorkommt. Es ist wohl was dran an dem Spruch "Man wächst mit seinen Aufgaben" oder sollte ich vielleicht sagen "Man wächst an seinen Aufgaben" ?!
Jetzt wo die Schulzeit endlich beendet ist und die Zukunft noch in den Wolken schwebt erscheint mir nichts reizvoller als in die große und weiteWelt aufzubrechen! Neue Farben, Düfte, Eindrücke, Menschen, Kulturen, Religionen, Gerichte und Sprachen. Herrlich denke ich mir.
Ob ich Angst habe so weit weg zu reisen? Ja. Natürlich.
Ob mich das aufhält? Nein. Natürlich nicht. Schließlich waren Träume schon immer wichtiger als Ängste.
Und auch wenn ich am letzten Abend, an dem alles noch so vertraut ist, mir kaum vorstellen kann was genau ich da vorhabe, ist der Rucksack fertig gepackt, die Klamotten zurecht gelegt und ich bin bereits eingecheckt. Schlafen kann ich noch nicht, werde ich diese Nacht auch kaum. Tausend Fragen, Hoffnungen, Ängste und Träume geistern durch meinen Kopf. Alles scheint ein wenig unreal, zu weit weg. Aber es ist echt. Verrückt.
Es gibt vieles was ich vermissen werde, das weis ich jetzt schon. Aber das Fernweh ist größer. Es gibt  einiges was mich hier hält aber nichts was mich aufhält, zurückhält. Es kann jetzt los gehen!

C.